Bettnässen – Enuresis nocturna

Bettnässen verursacht einen enormen emotionalen Druck bei Kindern und bei ihren Eltern.

  • „Leistungsdruck“ aus dem sozialen Umfeld: Kindergarten, Verwandte – ist er/sie etwa immer noch nicht „trocken“?
  • Angst der Eltern, etwas falsch gemacht zu haben
  • das Kind fühlt sich als Versager
  • das Kind hat Angst, bei Freunden oder Verwandten zu übernachten, oder mit auf Klassenfahrt zu gehen
  • Schamgefühl

Aber was bedeutet der Begriff Bettnässen eigentlich und wer ist davon betroffen?

Unter Bettnässen versteht man ein unfreiwilliges, regelmäßiges nächtliches Einnässen. Ein Kind gilt als Bettnässer, wenn es ab 5-jährig über einen längeren Zeitraum mindestens 1- oder 2-mal pro Woche unfreiwillig im Schlaf Urin verliert. Bis zum 5. Lebensjahr ist es völlig normal, dass Kinder gelegentlich einnässen. Am häufigsten sind Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren betroffen. Fast immer wachsen die Kinder irgendwann aus dem Bettnässen heraus. Die Kinder leiden aber darunter, die meisten Eltern wollen jedoch nicht so lange warten und suchen deshalb nach Lösungen.

Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Nur rund 5-10% der Fälle haben medizinische Ursachen und auch emotionale Probleme sind eher selten. Die häufigste Ursache ist ein Entwicklungsrückstand der Blase oder der Regulierung der Urinproduktion. Manchmal ist die Verbindung zwischen Blase und Gehirn einfach noch nicht vollständig entwickelt. Weit weniger Fällen, ca. 5 – 10%, haben medizinische oder emotionale Ursachen. Blasenkontrolle ist ein Reife- und Lernprozess, der etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Gibt es verschiedene Arten von Bettnässen?

Es ist gut zu wissen, dass es zwei Arten von Bettnässen gibt: die primäre und die sekundäre Enuresis. Primäre Nächtliche Enuresis (PNE) ist die häufigste Form von Bettnässen und tritt durchgehend und ohne Unterbrechungen von der frühen Kindheit bis zum gegenwärtigen Alter des Kindes auf. Das Kind blieb nie länger als zwei Wochen am Stück trocken. Es hat also nie offiziell aufgehört, ein Bettnässer zu sein.

Primäre nächtliche Enuresis (PNE) kann durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

  • Physische Unreife. Die kleine Blase hat sich noch nicht genug entwickelt, um den nächtlichen Urin zu halten,  oder die Kontrollverbindung zwischen Blase und Gehirn ist noch nicht ausgereift.
  • Mangel am antidiuretischer Hormon (ADH). Wenn dieses Hormon nicht ausreichend ausgeschüttet wird, führt es dazu, dass die nächtliche Urinproduktion wird genügend verlangsamt wird.
  • Ein ungewöhnlich tiefes Schlafmuster, sodass der Urindrang nicht bemerkt wird
  • Schlechte Toilettengewohnheiten auch tagsüber, indem der Harndrang  regelmäßig ignoriert wird, bis es fast oder ganz zu spät ist.
  • Chronische Verstopfung kann auch die Schließmuskeln der Harnröhre beeinträchtigen.
  • Emotionale Belastungen oder Stress (Spannungen in der Familie, ein neues Geschwisterchen, eine neue Schule, auswärts zu übernachten, Mobbing, Angst vor Dunkelheit).
  • Eine Harnwegsinfektion kann es dem Kind erschweren, das Wasserlassen zu kontrollieren.
  • Vererbungsfaktoren. Wenn ein Elternteil Bettnässer war, kann dieser Erbteil an das Kind weitergegeben worden sein.
  • Harntreibende Getränke vor dem Schlafen.
  • Ein Defekt des neurologischen Systems des Kindes oder des Harnsystems (seltene Fälle)

Sekundäre nächtliche Enuresis (SNE) bedeutet, dass das Kind mindestens 6 Monate trocken war und gelernt hatte, seine Blase über einen längeren Zeitraum zu kontrollieren, bevor das Bettnässen wieder anfing. SNE wird am häufigsten durch ein zugrundeliegendes medizinisches oder emotionales Problem, körperlicher oder sexueller Missbrauch, Harnwegsinfektion, Diabetes oder Anomalien im Nervensystem verursacht.

Wie funktioniert das Füllen und Entleeren der Blase?

Während der Füllphase der Blase ist der Schliessmuskel geschlossen. Wenn die Blase voll ist, senden Rezeptoren in der Blasenwand Nervenimpulse an das Gehirn, was dann als Harndrang wahrgenommen wird.

Wenn Zeit und Ort günstig sind, können wir die Entleerung der Blase bewusst einleiten. Dieses geschieht in umgekehrter Reihenfolge. Vom Gehirn über das Rückenmark zur Blase zieht sich der Blasenmuskel zusammen. Diese Kontraktion öffnet den inneren Schliessmuskel. Während sich die Beckenbodenmuskulatur entspannt, öffnet sich der äussere Schliessmuskel und der Urin tritt aus.

Blasenfunktion bei Enuresis

© Sonya Mosimann, www.mindtv-method.com

  1. Urin wird in den Nieren produziert
  2. Urin wird in der Blase gespeichert
  3. Der Blasenmuskel spannt sich
  4. Der Schließmuskel entspannt sich
  5. Die Blase wird durch die Harnröhre entleert

Wie genau sieht eine Therapiesitzung aus?

  • In einem ausführlichen Vorgespräch werden die Eltern und das Kind genau über die Funktion der Blase und den Ablauf der Therapie informiert.
  • Wichtig ist, dass eine Vertrauensbasis zwischen Kind, Eltern und Therapeutin aufgebaut werden
  • Je nach Alter und Wunsch des Kindes findet die eigentliche Sitzung ohne die Eltern statt.
  • Während der Sitzung ist das Kind in einem leichten Trancezustand – die Augen sind geschlossen – das Kind schläft aber nicht, sondern ist die ganze Zeit vollkommen ansprechbar.
  • Das ist sogar sehr wichtig, da die aktive Mitarbeit des Kindes der Kern der Behandlung ist.
  • Vor dem geistigen Auge des Kindes findet eine Art „Kopfkino“ oder auch „Fernsehen im Kopf“ statt. In diesem Kopfkino reist das Kind durch den eigenen Körper und „repariert“ unter Anleitung der Therapeutin alles, was mit dem  Bettnässen zu tun hat, und was das Einnässen verursacht.
  • Zum Ende der Sitzung wird kontrolliert, ob auch alle Reparaturen erfolgreich waren.
  • Das Kind bekommt Aufgaben mit nach Hause, um die Nachhaltigkeit der Therapie zu unterstützen.

Was sind die Vorteile dieser Therapie?

  • Es handelt sich um eine relativ kurze Therapie, oft ist nach wenigen Sitzungen ein Erfolg da.
  • Das Kind ist aktiv an der Heilung beteiligt – das stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes, welches meist unter der Situation des Bettnässens sehr gelitten hat, ungemein.
  • Auswärts übernachten oder auf Klassenfahrten gehen ist dann kein Problem mehr.
  • Kinder mögen diese Art der Therapie sehr gerne, da die Begriffe „Fernsehen“ und „Kino“ bei ihnen sehr positiv besetzt sind.
  • Für diese Therapieform sind keinerlei Medikamente nötig.

Wie können Sie als Eltern mithelfen?

Koffeinhaltige Speisen oder Getränke sollte man abends meiden. Koffein wirkt abführend und stimuliert die Blase, so dass diese mehr Urin produziert. Das ist alles andere als hilfreich, um nachts trocken zu bleiben.

Die folgenden Getränke und Lebensmittel enthalten Koffein:

  • Tees (Eistee, Weißtee, Grüntee, Oolong-Tee, Schwarztee)
  • Cola
  • Energy Drinks
  • Schokolade als heiße Schokolade oder als Süßigkeit. (Schokolade enthält eine Chemikalie, die eng mit Koffein verwandt ist und die gleiche Wirkung haben kann)

Richtige Toilettengewohnheiten und weniger trinken vor dem Schlafengehen

Kinder können die richtigen Gewohnheiten im Umgang mit dem Wasserlassen lernen, indem sie die Blase regelmäßig tagsüber, vor dem Schlafengehen und direkt nach dem Aufstehen entleeren. Auf Blasensignale und Harndrang zu hören und reagieren, stärkt die Verbindung zwischen Blase und Gehirn. Diese ist wichtig, um nachts trocken zu bleiben. Kinder sollten ermutigt werden, tagsüber viel zu trinken, dann mindestens 2 Stunden vor dem Schlafengehen damit aufzuhören.

Bettnäss-Tagebuch führen

Indem man Buch führt über den emotionalen Zustand des Kindes und notiert, was gegessen und getrunken wurde, können mögliche Auslöser gefunden werden. Die Suche nach einem wiederkehrenden Muster gibt Kind und Eltern ein Gefühl der Kontrolle über die Situation. Wenn ein Auslöser gefunden wird, kann dieser selektiv entfernt, reduziert oder behandelt werden.

Schlafrituale und Hausaufgaben nach der Sitzung

Kinder mögen und brauchen Rituale. Dieses Ritual ist gleichzeitig auch die Hausaufgabe für trockene Nächte:

  • Wenig trinken 2 Stunden vor dem Schlafengehen.
  • Kurz vor dem Schlafengehen die Blase leeren.
  • Becken-Boden-Muskel-Übungen durchführen (10-3-3x).
  • Die mentale Checkliste durchgehen.

Bei Fragen oder Interesse an einer Behandlung rufen Sie mich bitte an oder schreiben mir eine Email